Etwa 15 bis 30 % der Weltbevölkerung wird als hochsensibel bezeichnet. Diese Menschen sind nicht nur sensibler, sondern auch empathischer und kreativer als viele ihrer Mitmenschen. Wie sich Hochsensibilität äussert und wie du damit umgehen kannst, thematisieren wir in diesem Artikel.
Was ist Hochsensibilität?

Fast ununterbrochen erhält unser Gehirn Sinneseindrücke, die es verarbeitet. So unterschiedlich einzelne Menschen sind, so unterschiedlich und individuell ist auch die Verarbeitung dieser Sinneseindrücke.
Hochsensible Menschen fassen Eindrücke, Stimmungen und Gefühle viel intensiver auf als andere.

Wir möchten dir das anhand eines Beispiels aufzeigen:
Wenn man eine hochsensible Person und eine nicht hochsensible Person jeweils mit einer Kamera ausstatten würde, die alle Regungen aufzeichnet, die alle Sinne wahrnimmt und im Hirn verarbeitet, so würde die genau gleiche Situation einen völlig anderen Film ergeben.
Der Film der nicht hochsensiblen Person würde beim Eintreten in einen Raum zeigen, wie dieser aussieht, aus welchem Material die Tische sind, ob viele oder wenige Menschen sich darin befinden, ob der Raum Fenster hat und so weiter.
Der Film der hochsensiblen Person hätte die gleichen Beobachtungen wie bei der nicht hochsensiblen Person, plus noch eine Menge an zusätzlicher, sehr detaillierter Informationen: Wie ist die Stimmung im Raum? Sind Spannungen vorhanden? Welche Farbe hat die Skulptur auf dem zweiten Regal? Wie riecht es? Wie verhalten sich die Leute im Raum?
Das Gehirn verfügt über verschiedene Filter, die bei der Verarbeitung dieser Eindrücke zum Einsatz kommt. Alle reinkommenden Informationen werden in wichtig oder unwichtig eingestuft. Der grösste Teil der Eindrücke dringt bei den meisten Menschen gar nicht bis in ihr Bewusstsein vor, weil ihr Gehirn diese als nicht relevant einstuft. Hochsensible Menschen jedoch verfügen über weniger Filter, weswegen alle Reize von aussen teilweise ungefiltert rein prasseln.
Es werden somit viel mehr Informationen bewusst wahrgenommen und die Verarbeitung ist viel intensiver und quasi pausenlos.
Aufgrund dieser Intensität scheinen Hochsensible weniger robust und dafür viel schneller überreizt zu sein.
Man kann sagen, dass Hochsensible die Energie in ihrer Umgebung aufnehmen und ein umfassendes Bild daraus machen können. Als ob sie ständig berieselt würden, wie wenn ununterbrochen der Fernseher oder das Radio laufen würde. Es ist zudem für sie schwieriger Sachen auszublenden oder einfach zu ignorieren. Ein bisschen so, als würde das Volumen in ihrem Gehirn immer lauter gestellt werden.

Bin ich hochsensibel?
Hochsensibilität fängt schon früh an. Die Wissenschaft forscht noch, ob diese «spezielle Verknüpfungen im Gehirn» vererbt werden oder nicht. Fakt ist, dass Hochsensible schon früh merken, dass sie «anders» sind.

Hochsensible Menschen haben oftmals das Gefühl, nicht «normal» oder ganz einfach «komisch» zu sein. Ihre Sensibilität können sie kaum mit der Umgebung teilen, nur 15 bis 30 % der Menschen sind hochsensibel (je nach Quelle). Somit ist die Chance gross, dass eine hochsensible Person hauptsächlich von nicht hochsensiblen Menschen umgeben ist.
Wenn hochsensible Menschen ihre Beobachtungen und Empfindungen mit anderen teilen, dann bekommen sie oft Dinge zu hören wie “Du bist viel zu sensibel.”, “Reiss dich doch mal zusammen.”, Mach doch nicht schon wieder Drama.” oder “Das ist doch gar nicht so schlimm.” Sie werden als überempfindlich, zartbesaitet und schwach bezeichnet.

Bist du eine hochsensible Person, dann findest du dich in diesen Zeilen und Aussagen sofort wieder. Und wenn du dir jetzt vielleicht denkst:
“Aha, darum! Das heisst, ich bin gar nicht komisch.”
NEIN, das bist du nicht! Du gehörst einfach zu den ganz wenigen Menschen, die enorm feine Fühler haben und über ein Gehirn besitzt, dass die kleinsten Frequenzen wahrnimmt. Du bist lediglich anders verkabelt und das wichtigste: Du bist nicht allein.
Es gibt diverse psychologische Tests, die heute aufzeigen, ob eine Hochsensibilität vorliegt oder nicht. Folgende Beispielfragen würden hochsensible Menschen natürlicherweise bejahen.
- Menschenmengen sind für dich anstrengend.
- Wenn jemand mit einer anderen Person schimpft, verletzt dich das, auch wenn es gar nicht um dich geht.
- Du spürst Spannungen in der Luft, auch wenn niemand etwas sagt.
- Wenn zu viele Eindrücke auf dich einstürmen, dann bist du schnell gereizt oder gestresst.
- Du fühlst dich oft missverstanden, wenn du deine Gefühle oder Auffassungen mitteilst.
- Deine Stimmung kann sich von einer Sekunde auf die andere plötzlich verändern und es wird dir alles zu viel.
- Lärm oder intensives Licht stört dich schnell.
- Du benötigst öfter Zeit für dich allein.

Wie gehe ich mit meiner Hochsensibilität um?
Grundsätzlich ist Hochsensibilität weder positiv noch negativ einzustufen. Da man sich als hochsensibler Mensch in der Minderheit befindet, eckt man aber schnell an und muss seinen Platz in der Gesellschaft erst finden.
Durch diese überdurchschnittliche Sensibilität haben hochsensible Menschen eine riesige Empathie und spüren, was ihr Gegenüber ihnen erzählt. Sie hören nicht nur zu, sie sehen, fühlen und spüren das alles mit. Sie können sich gut in andere Menschen hineinversetzen, sind übermässig kreativ, sinnlich, intuitiv und innovativ und sind grosse Teamplayer.
Wenn du hochsensibel bist, dann bist du eine Perle unter den Menschen. ❤️️

Praktische Tipps für den Umgang
Wie du mit deiner Hochsensibilität umgehen kannst, verraten wir dir gleich als Nächstes.
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